David Marsh

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Die brisante Geschichte des Euro

By Mark Schrörs - published on 09/03/2009 in Financial Times Deutschland

Im Sommer 2006 steht David Marsh vor der Entscheidung: Lerne ich Klavier spielen und trainiere, um meinen Aufschlag beim Tennis zu verbessern - oder wage ich mich an ein Buch zum zehnjährigen Bestehen des Euro im Jahr 2009?

Als erste Recherchen und Gespräche positiv verlaufen, entschließt sich der frühere Financial-Times-Korrespondent und jetzige Investmentbanker für das Buchprojekt.

Nach der Lektüre von "Der Euro - Die geheime Geschichte der neuen Weltwährung" lässt sich sagen: Gut, dass er sich so entschieden hat. Zwar stecken in den 437 Seiten weniger Enthüllungen, als es der Titel suggeriert. Die Geschichte des Euro ist bestens dokumentiert, und gerade jetzt gab es viele Veröffentlichungen zum Thema. Dennoch hebt sich das Buch wohltuend ab.

Das hat vor allem drei Gründe: Zum einen hat der Engländer durch seine früheren Kontakte Zugang zu fast allen gefunden, die die Entstehung des Euro geprägt haben und dies jetzt noch tun. Zwischen Februar 2007 und Juli 2008 hat er lange Gespräche mit fast 90 Persönlichkeiten geführt, darunter Altkanzler Helmut Schmidt und der jetzige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet. Marsh gelingt dadurch eine sehr detaillierte Schilderung wichtiger Prozesse, der Leser hat stets das Gefühl, ganz dicht dran zu sein.

Ein sehr gutes Beispiel ist die Passage über ein Treffen des damaligen französischen Notenbankchefs Jacques de Larosière mit Trichet 1989; Trichet war damals Schatzkanzler im Finanzministerium. Ausführlich lässt Marsh de Larosière erzählen, wie Trichet ihn kritisierte, weil er zugestimmt habe, dass die EZB noch unabhängiger werden solle als die Bundesbank - was französische Politiker gar nicht begeisterte. "Er meinte, ich hätte übermäßige Konzessionen gemacht." Wohlgemerkt: Als ihr Präsident ist Trichet heute oberster Verfechter der Unabhängigkeit der EZB.

Dem exklusiven Zugang verdanken sich auch einige brisante Zitate. So lässt sich Ex-Bundesbankchef Karl Otto Pöhl zitieren: "Ich glaube, es war ein Fehler, Italien in die Währungsunion aufzunehmen." Und der niederländische Notenbankchef Nout Wellink sagt: "Ich glaube nicht, dass wir die Mitgliedschaft Großbritanniens brauchen."

Zum Zweiten profitiert das Buch davon, dass es Marsh schafft, eine kritisch-distanzierte Haltung einzunehmen - und so eine nüchterne Zwischenbilanz zu ziehen. So führt er etwa aus, die Euro-Einführung habe der Region nicht den erhofften starken Wachstumsimpuls gebracht. Zugleich schiebt er aber die Schwäche - anders als auf der Insel üblich - nicht allein dem Euro zu.

Ähnlich nüchtern sind sein Ausblick und die Schilderung künftiger Bewährungsproben wie das Auseinanderdriften der Volkswirtschaften. "Es gibt keine Gewissheit, dass die Einheitswährung die nächsten zehn Jahre überdauern wird. Wenn der Euro jedoch die Prüfungen besteht und zu einem dauerhaften Erfolg wird, dann wird diese Leistung (...) wahrlich zum größten Triumph."

Letztlich kommt dem Buch zugute, dass Marsh als Ex-Journalist spannend schreibt und selbst da, wo er theoretisch wird, auf Gelehrtenduktus verzichtet. Dies macht das Buch zu einem Lesevergnügen.

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